Seit 2012: Monatliche Verteilung von Paketen mit Grundnahrungsmitteln

Das Jahr 2012 ist Gründungsjahr unseres Vereins; doch was im Dezember zum Verein wurde fing im Frühsommer 2012 an mit privatem Engagement. In diesem Jahr wurde der Krieg in Syrien spürbar und regelrecht sichtbar – Unmengen an Familien strömten orientierungslos nach Damaskus um Sicherheit zu suchen. Viele haben auf den Straßen übernachtet, mit Sack und Pack bzw. dem Wenigen, was sie auf ihrer innersyrischen Flucht mitnehmen konnten. Und mit Kind und Kegel, mit kleinen Kindern und alten, gebrechlichen Großeltern.

So fing unsere Arbeit an, es blieb keine Zeit, zu überlegen, nachzudenken: diese Familien standen im Schock, hatten Hunger, sie brauchten etwas zu Essen, ein Dach über dem Kopf. So entstand das „Carepaket-Projekt“ – mit 15 Familien und somit 15 Paketen mit Grundnahrungsmitteln. Die Not aber und somit der Bedarf stieg und stieg, schnell wurden es 30, dann 50, bald über 100 Pakete.

Schon 2013 verteilten wir durchschnittlich 250 Pakete mit Lebensmitteln im Monat. Bald mussten wir die Anzahl begrenzen wollten wir nicht diese Hilfe zu einem Strohfeuer werden lassen sondern zu dem was sie geworden und geblieben ist: andauernde, lebenserhaltende und dabei stets respektvolle, fundamentale Hilfe. Denn die Not war natürlich weit größer als das, zu was wir finanziell in der Lage waren – und doch war es viel mehr, als wir zu hoffen gewagt hätten!

Aktuell sind es stabil 320 Pakete (manchmal sogar etwas mehr, ab Frühjahr 2021 werden wir die Menge auf etwa 400 Pakete ansteigen lassen!) mit Grundnahrungsmitteln wie Reis, Nudeln, Zucker, Öl, Käse und vielem mehr, die jeden Monat an bedürftige Familien verteilt werden. Alle Waren in diesen Carepaketen werden von unseren lokalen Helfern im Land gekauft, gelagert und teilweise aus großen Gebinden umverpackt. Diese so erstellten Nothilfepakete werden den Familien persönlich gebracht, oft mit einem kleinen “Taschengeld” für Dinge des täglichen Bedarfs wie beispielsweise Hygieneartikel.

Mehrere tausend Tonnen Lebensmitteln sind so seit 2012 durch unsere Hände gegangen – und zwar, weil viele Tausend Menschen mit offenem Herzen, großen und kleinen, einmaligen und dauerhaften Spenden uns all die Jahre Rückhalt gegeben haben und so erst diese Hilfe ermöglicht haben!!

Zentrum für Spezialbedürfnisse in Istanbul (seit Winter 2016/2017)

In den abgeschlossenen Projekten haben wir von einem Zentrum für Spezialbedürfnisse, also Menschen mit geistigen und / oder körperlichen Behinderungen (also Menschen mit speziellen Fähigkeiten und mit speziellen Bedürfnissen!) berichtet, hier tun wir das wieder? Ja, denn es ist uns im Herbst 2016 nach Bombardements und kompletter Zerstörung zwar mit Schmerzen aber auch mit Hoffnung gelungen, dieses uns sehr am Herzen liegende Projekt nach Istanbul umzusiedeln!

Hier konnten wir ein mehrstöckiges Gebäude anmieten und es nach unseren Anforderungen umgestalten und einrichten. Und hatten einen wesentlichen Vorteil: Erfahrung! Denn das Kernteam aus Damaskus blieb zusammen, jeder wusste, wo anzufassen und wie Dinge gemeinsam gelingen konnten. Nur so konnte innerhalb kürzester Zeit ein Aufnahmesystem für Menschen mit Spezialbedürfnissen entwickelt werden, die Betreuung organisiert und auch neue Mitarbeiter (hier vor allem im Bereich Physiotherapie und Autismus-Betreuung) in das Projekt eingebunden werden. Durch gezielte Fortbildungen konnten immer mehr Kräfte für die in den Räumlichkeiten durchgeführten Einzel- und Gruppenstunden gefunden werden. Auch die Entwicklung von Geräten und Hilfsmitteln wurde fortgeführt, wenn auch in anderer Form: so wurde ein Sinnes- und Erlebnisraum eingerichtet, komplett mit selbst gebauten Geräten und Stationen. Mit Hilfe von 3D-Druckern wird eigenes therapeutisches „Lernspielzeug“ entworfen und hergestellt. Erst vor kurzem gelang es sogar erstmalig, einen funktionsfähigen Arm inklusive Greifhand für ein armamputiertes Kind herzustellen – das Kind ist darüber genauso begeistert wie wir es sind!

Auch Corona hat es nicht geschafft, unseren Willen zu brechen – ganz im Gegenteil: mit den einfachsten Mitteln haben die Betreuerinnen und Betreuer Übungen und Aufgaben an die Kinder zu Hause geschickt, es wurden WhatsApp-Gruppen gebildet und auch mit den Eltern intensiv zusammengearbeitet. Und auch wenn wir hoffnungsvoll waren so sind die Ergebnisse doch überraschend: die meisten Kinder haben bei intensiver Unterstützung der Eltern trotz dieser anderen Form der Betreuung keine Rückschritte gemacht, sondern im Gegenteil sogar große Fortschritte! Und durch ständiges verbessern unserer Online-Methoden, auch die Teilnahme an speziellen Fort- und Weiterbildungen sowie den Austausch mit Spezialisten wurden auch Fälle an uns herangetragen, die nicht in Istanbul sind. Und so betreut unser Team mittlerweile sogar einige Menschen mit Spezialbedürfnissen in Asien, Europa und im arabischen Raum. Wer hätte das gedacht im Oktober 2016…

Aufgeben ist keine Option. Wir machen weiter. Immer weiter! DANKE, dass wir das tun dürfen!

Zentrum für syrische Flüchtlingsfrauen in Beirut / Libanon (seit 2014)

Verließ zu Anfang kaum jemand Syrien war spätestens 2014 der Damm gebrochen: Im Oktober 2014 waren bereits 3.2 Millionen Syrerinnen und Syrer auf der Flucht vor Tod und Zerstörung in Ausland gegangen – viele von ihnen Frauen mit Kindern. Oft Witwen. Im kleinen Land Libanon, dem aus vielen Gründen nächsten Nachbarn Syriens, waren damals 1.13 Millionen Syrerinnen und Syrer (heute sind es noch fast 0.9 Millionen) untergekommen – jeder 4te oder 5te (genaue Einwohnerzahlen gibt es nicht) im Libanon lebende Mensch war also forthin Syrer. Mit allen daraus resultierenden Folgen.

2014 war auch das Jahr, in dem wir (bereits im Januar 2014) unser erstes Projekt außerhalb Syriens entwickelten: ein Zentrum für syrische Flüchtlingsfrauen in Beirut! Wir wollten den unzähligen in Beirut gestrandeten Frauen die Hand reichen, ihnen Halt geben und ihnen helfen, ihre Zukunft zu bauen. Viele von ihnen waren verwitwet, alleinerziehend und viele von ihnen hatten schreckliche Dinge erlebt. Alle standen unter Schock, keine wusste wohin zu gehen, was anzufangen mit ihrem Leben.

Angetrieben von einer hoch engagierten Leitung bauten sie ein Zentrum auf, mit einer kleinen Küche und mehreren Kursräumen. Denn vor allem darum ging es von Anfang an: geflüchteten Frauen Fortbildungs- und Entwicklungskurse anzubieten, sie aufzufangen und aufzubauen, sie zu begleiten und ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln. Ihnen dabei helfen, ihre Fähigkeiten zu stärken und selbstbestimmt durchs Leben zu gehen. Sie aus der Einsamkeit zu holen, sie in die Gemeinschaft des Zentrums zu holen und sie zu unterstützen, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Die Küche war Versorgung und Lehrküche, auch Catering und damit Möglichkeit, Festanstellung zu geben und etwas Geld für die Finanzierung des Zentrums dazu zu verdienen. Im Spätjahr 2014 kam eine Schneiderei dazu, auch das für Lehre und Produktion gemeinsam. Die dritte Säule waren die Kurse mit vielfältigem Angebot, auch Arabischkurse (nicht wenige der Frauen hatten nie schreiben und lesen gelernt), Sprachkurse (englisch), Computerkurse und viele viele Entwicklungskurse.

In den 6 Jahren seit Bestehen des Projektes haben jedes Jahr mehrere Hundert Frauen das Zentrum durchlaufen und wurden gestärkt in die libanesische Gesellschaft entlassen. Viele von ihnen haben es durch die Fortbildungen geschafft, sich im Arbeitsmarkt zu integrieren, manche konnten sogar eigene „Start-Ups“ gründen und Arbeitsplätze schaffen. Dieses Zentrum hat großen Anteil daran, dass all diese Frauen auf eigenen Beinen stehen und ihre Zukunft in die Hand nehmen können.

Seit 2014. Heute. Und auch in Zukunft.

Medizinische Versorgung von Binnenflüchtlingen

Auch wenn 2011 alles begann, richtig spürbar, auf breiter Ebene, wurde es 2012. Im Jahr 2012 brach für viele Syrerinnen und Syrer die Welt zusammen. Unter den vielen Menschen in den nicht enden wollenden innersyrischen Fluchtbewegungen waren natürlich auch viele Kranke, oft Verletzte als Folge von Querschlägern (so hatten wir in dieser Zeit eine Operationen zweier Zwillingsschwestern, die zusammen von einer einzigen solchen irrgeleiteten Kugel getroffen wurden), genauso oft aber auch ganz normale Krankheiten, die in jeder Zivilgesellschaft auftreten. Und all diese Kranke brauchten Hilfe!

Also nahmen wir uns ihnen an, so gut wir es konnten und in dem Maß, in dem wir finanziell in der Lage waren. Das aber war oft nicht verhandelbar, denn vor allem in den ersten Jahren war es oft eine Frage von Leben und Tod: oft standen die zu Behandelnden schon vor den Toren der Klinik als wir von ihrer Notlage erfuhren. Halfen wir ihnen, hieß das, sie durchschritten die Tore und wurden behandelt, operiert, geheilt. Halfen wir ihnen nicht, hieß es, sie konnten nicht ins Krankenhaus, erfuhren keine Behandlung, konnten sterben. Keine leichte Entscheidung. Überhaupt keine leichte Entscheidung!

Wir haben eigentlich nie „Nein“ gesagt in diesen Jahren. Die Not war zu groß! Oft waren wir sogar persönlich bei den Patienten, gingen mit ihnen zum Arzt, haben ihren Heilungsprozess gesehen und haben manche in den Tod begleitet. So beispielsweise bei manchem chronisch Kranken, der sich die Therapie mit teuren Medikamenten nicht leisten konnte. Nicht bei jedem schlug diese Therapie an. War es dann falsch, das Geld ausgegeben zu haben für teure Medikamente, wenn der Patient doch verstarb?

Besonders schwierig war es mit den Schwangeren – kaum waren sie aus den Kampfgebieten raus setzten die Wehen ein, urplötzlich. Als ob ihr Körper sich vorher gegen die Geburt gestemmt hatte und das Neugeborene erst freigeben wollte, wenn sie in Sicherheit waren. Auch Herzinfarkte, Krebskranke und Frühgeburten waren unter den Fällen; Hunderte Geburten haben wir bezahlt, Kosten für Prothesen, Intensivstation, Brutkästen, Zahnbehandlungen, Operationen, uvm. bis zu Hörgeräten oder Brillen haben wir übernommen.

Ab 2016 mussten wir beginnen, diese Ausgaben zu reduzieren: die Kosten explodierten, viele Medikamente waren nicht verfügbar, manche Krankheiten waren einfach nicht mehr zu heilen. Und doch lebt auch dieses Projekt weiter, auch heute noch tragen wir Kosten für vielfache medizinische Betreuung, begleiten Kranke zum Arzt und helfen wo wir können.

Ein eindringliches Erlebnis (unter vielen eindringlichen Erlebnissen) in diesem seit 2012 bestehendem Projekt hatten wir vor einigen Wochen. Eine Mutter hatte sich bei uns gemeldet und ein Foto geschickt von ihrer 5jährigen Tochter. Das Mädchen hatte an diesem Tag Geburtstag: Vor 5 Jahren wurde es im Säuglingsalter am Herzen operiert, ohne diese OP wäre es gestorben. Obwohl diese Operation teuer war und es uns damals nicht leicht fiel das zu bezahlen hatten wir die Kosten übernommen.

In Momenten wie diesen wird alles andere unwichtig. Und man weiß genau: Es war gut, „Ja“ zu sagen!

Verteilung warmer Mahlzeiten in den Flüchtlingslagern Nordwestsyriens / Region Idlib (seit 2017)

Neun von Zehn Syrerinnen und Syrer leben unterhalb der Armutsgrenze. Unterhalb der syrischen Armutsgrenze. Und deutlich über 12 Millionen Menschen (12.4 Millionen laut einer OCHA-Mitteilung von Ende Februar 2021) innerhalb Syriens leiden an Hunger, Mangelernährung und sind auf „Nahrungsmittelhilfe“ angewiesen. Unvorstellbare Zahlen, schon beim Lesen. Das tägliche Leben inmitten dieser Not ist noch unvorstellbarer. Und doch erleben wir es ständig.

Besonders hart trifft es die Region Nordwestsyrien, in der etwa 4 Millionen Menschen leben; 2.7 Millionen von ihnen sind sogenannte Binnenflüchtlinge. Oftmals mehrfach Vertriebene, die in einfachsten Behausungen ihr Dasein fristen – etwa 1.5 Millionen sogar in trostlosen Zelten, unter Planen, meist auf offenem Boden. Den Jahreszeiten ausgesetzt, in ihrer Armut gefangen, ständig auf der Suche nach Essbarem, Kleidung, Wasser und so vielem mehr.

Genau dort ist auch ein Teil unseres Teams gelandet, im Herbst 2016. Ebenfalls binnenvertrieben wussten sie woran es mangelt, hatten aber viele Jahre Erfahrung gesammelt beim Aufbau und Betrieb von Hilfsprojekten. Und wussten, sie sind nicht allein. Weil wir wussten, wir sind nicht allein: wir haben hier Menschen, die uns unterstützen in unseren Bemühungen, den Menschen dort zu helfen! Dieses Wissen um Rückhalt hat uns stets geholfen und hilft uns immer noch, scheinbar aussichtslose Situationen zu meistern, das Licht am Horizont zu sehen und uns den anstehenden Aufgaben mit allen zur Verfügung stehenden Kräften entgegen zu treten. Das Wort „Danke“ ist dafür nicht genug!

Also begannen wir – neben vielen anderen Projekten – auch hier die Bedarfe zu ermitteln und erkannten die Not nach Nahrung, die schon damals für die vielen Neuankömmlinge mit das Wichtigste war: denn neben der Armut, die verhinderte das sich die Lagerbewohner ausreichend mit Essen versorgen konnten, fehlte es schlichtweg vielen an Kochgelegenheiten. Kaum jemand hatte einen Ofen oder eine Kochstelle zur Verfügung! Ganz zu schweigen von Kochgeschirr oder ausreichend Brennmaterial.

Anfang 2017 bauten wir also erst einige, später dann insgesamt zehn Garküchen auf. Reanimierten eine stillgelegte Bäckerei. Und bringen seither fertig gekochte, in Mehrweggeschirr portionierte warme Mahlzeiten inkl. Brot in die entlegensten Winkel Nordwestsyriens, dorthin wo niemand sonst Hilfe hinbringt (wobei sowieso kaum internationale Hilfe sichtbar ist in dieser fast vergessenen Region! Gemäß offiziellen Angaben sind wir aktuell sogar nur eine von zwei Organisationen, die überhaupt warme Mahlzeiten in diesen Lagern verteilt). Vor Corona durch Sammelausgabe an zentralen Stellen des Lagers, seit Corona durch einen viel intensiveren Bringdienst bis an die „Tür“ der Zelte und Behausungen. Und haben so seither über 1.000.000 Menschen eine warme Mahlzeit von uns erhalten.

Auch diese Zahl ist unvorstellbar. Aber sie macht uns weit glücklicher als die oben genannten Zahlen!

Unterbringung innersyrischer Flüchtlingsfamilien in Damaskus (seit 2012)

Die innersyrisch geflüchteten Familien, die ab etwa 2012 von einem Tag auf den anderen plötzlich auf der Straße saßen, brauchten nicht nur etwas zu essen, sie brauchten auch ein Dach über dem Kopf. Denn sie hatten alles verloren, kamen aus einer ganz anderen Stadt wie Homs oder fremden Vierteln und waren völlig orientierungslos. Saßen auf der Straße und warteten auf ihr Schicksal.

Also haben wir zunächst versucht, die Familien in öffentlichen Einrichtungen wie in der Moschee oder der Schule unterzubringen und brachten sie privat unter. Das war die Lösung für die ersten Tage. Dann haben wir angefangen, Wohnungen zu mieten; anfänglich waren es bis zu 30 Menschen die in einer Wohnung untergebracht waren! Viel, ja, aber sie hatten ein Dach über dem Kopf!

Etwa Mitte des Jahres 2012 hatten wir dann stolze 30 Wohnungen angemietet, Ende des Jahres sogar über 60. Im April 2014 waren es exakt 103 Familien, später in diesem Jahr schon fast 150, dann 2015 sogar annähernd 200. Aktuell (Dezember 2020) sind es genau 173 Familien, denen wir uns annehmen, für die wir uns verantwortlich fühlen, für und um die wir uns sorgen – oftmals Witwen mit ihren Kindern und Großeltern, alleinstehende Alte oder bunt zusammen gewürfelte „Mehrgenerationen-Wohngemeinschaften“.

Bald waren keine Wohnungen mehr frei und wir begannen, unfertige Wohnungen anzumieten, was immer mit sehr viel Arbeit verbunden war, denn sie waren nicht nur unfertig (oft ohne Fenster, Strom und Wasser) sondern auch ohne jede Wohnungseinrichtung! Immer fanden wir einen Weg und freuten uns jedes Mal, wenn wir wieder einer Familie eine Unterkunft besorgt hatten. In all den Sorgen, all den Mühen gab es immer auch unvergessliche Momente; so beispielsweise, wenn wir eine passende Wohnung fanden, sie mieten wollten und der Vermieter sich erkundigte, für wen die Wohnung sei. Dann erfuhr, dass sie für Binnenflüchtlinge ist und antwortete: „Ihr braucht keine Miete zu zahlen, sie können erst einmal so bleiben!“.

Das kann sich heute keiner der Vermieter mehr leisten, schon 2015 fingen die Mieten an, langsam zu steigen – letztlich sind alle von der Situation betroffen! Und doch können wir es nicht riskieren, aufzuhören, denn es hätte zwangsläufig zur Folge, dass diese Familien wieder auf der Straße landen würden. Die Unterbringung von innersyrischen Flüchtlingsfamilien ist wie die Verteilung von Lebensmittelpaketen eines unserer Projekte „der ersten Stunde“ und hat seit 2012 ohne Unterbrechung Bestand!

Schule in Beirut – Bildung für syrische Flüchtlingskinder von der Vorschule bis zur 9. Klasse

Durch die Arbeit in der Schneiderei und die Herstellung von Schuluniformen und Jacken für eine Schule, in der syrische Flüchtlingskinder unterrichtet wurde, kamen wir immer enger mit dieser Schule in Kontakt. Und schließlich zu unserem ersten und einzigen Projekt, das wir nicht selbst aufgebaut hatten und in dem wir „nur“ Partner sind – aber tragender Partner!

Schon 2013 hatte eine in den Libanon geflüchtete syrische Lehrerin mit hohem persönlichem Einsatz und sehr großem Herz die Idee, syrischen Kindern Bildung zu vermitteln. Sie suchte und fand Finanzierung in der Verwandtschaft, bei Freunden und einigen Großspendern und stand schon 2014 einer Schule für etwa 250 syrischen Schülerinnen und Schülern vor! Der Bedarf aber und ihr Potential war größer als das und so bat sie uns ihr in ihren Bemühungen zu helfen. Nach eingehender Prüfung und intensiven Projektbesuchen entschlossen wir uns Ende 2016 sie zu unterstützen und haben das seither weder bereut noch unterbrochen. So gelang es, schon bald die Schülerschaft nahezu zu verdoppeln und in zwei Gebäuden Unterricht von der Vorschule bis zur neunten Klasse anzubieten.

Das Schuljahr 2018 / 2019 ist ein gutes Beispiel um zu verdeutlichen was das bedeutet: in insgesamt 19 Klassen wurden Kinder in zwei Vorschulstufen und neun Klassenstufen (1. bis 9.) unterrichtet, die Klassengröße war dabei meist über 30 Schülerinnen und Schüler. 25 Lehrerinnen und Lehrer und 6 administrative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgten das ganze Schuljahr über für einen reibungslosen Ablauf. Zusätzlich wurde im Sommer ein Sommercamp für unterschiedliche Klassenstufen durchgeführt an dem etwa 100 Kinder teilgenommen haben, ebenso Ausflüge und Kurse angeboten.

„Nebenher“ wurden ein Chemielabor, eine Bibliothek und ein Computerraum eingerichtet, 10 Toiletten gebaut, ein Empfangsraum hergerichtet und für die Verwaltung Drucker und Computer beschafft. Außerdem, als emotionaler Höhepunkt, unterschiedlichste Geräte angeschafft um einen Spielplatz einzurichten.

Im darauffolgenden Schuljahr konnten wir die Anzahl der Schülerinnen und Schüler sogar auf 571 erhöhen und kämpfen doch seither mit den Auswirkungen der Explosion im Beiruter Hafen und den Corona-Bestimmungen. Digitalunterricht findet kaum statt, es fehlt vor allem an Endgeräten um überhaupt digitalen Unterricht vermitteln zu können. Wir finden viele alternativen Möglichkeiten, die wirtschaftliche Situation führt jedoch leider verstärkt dazu, dass Eltern ihre Kinder vom Unterricht abmelden. Sie werden gebraucht, um zu arbeiten. Um der Familie beim Überleben zu helfen. Dagegen kämpfen wir nach Kräften an, doch zu oft gehen uns leider angesichts grassierender Armut die Argumente aus…

Mikrokredite – Hilfe zur Selbsthilfe

Viele der hier beschriebenen Projekte sind seit vielen Jahren Fundamente unserer Arbeit. Dieses Projekt hingegen ist kein Fundament; eher ein kleines Zimmer mit Fenster in einem der oberen Geschosse – und auch wenn dieses Zimmer etwas abseits liegt und selten belegt ist, so ist sein Wert keineswegs gering.

Denn natürlich ist Hilfe zur Selbsthilfe ein ganz wesentlicher Ansatz unserer Arbeit, in Zeiten grassierender Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit aufgrund vielfacher Flucht jedoch ist das leichter gesagt als getan. Wir versuchen dennoch seit Anbeginn Nothilfe, humanitäre Hilfe, Bildungsarbeit und Entwicklungshilfe zu vereinbaren; ein kleines Beispiel ist die Gewährung von Mikrokrediten:

Innerhalb der von uns betreuten Familien gibt es immer wieder Frauen, junge Erwachsene oder Kriegsversehrte, die mit Ideen auf uns zukommen um ein eigenes Einkommen zu erzielen. Hierzulande würde man das schmissig „Start-Up“ nennen. Und das ist es auch: wir helfen ihnen zu starten, aufzustehen und auf eigenen Beinen voran zu kommen. Manchmal sind diese Mikrokredite tatsächlich Geldbeträge, die ausgehändigt werden um bspw. Anschaffungen für den Beginn zu finanzieren. Wir begleiten dabei und versuchen zu helfen, auch mit Rat und Tat. Diese Möglichkeit realisieren wir bis heute, meist gelingen diese „Start-Ups“ und ermöglichen den „Gründern“ ein besseres, selbstbestimmteres Leben.

Vor allem 2013 und 2014 hatten wir auch noch eine andere Möglichkeit gefunden, die dann ein „Weiterfliehen“ der Protagonisten zum Erliegen kam: wir haben einigen Familien dabei geholfen, kleine Straßenstände einzurichten. Vor allem ging es dabei um Hygieneartikel und Dinge des täglichen Bedarfs. Wir kauften dabei die Waren in großen Mengen ein (erhielten dadurch Rabatte) und gaben die Waren zu diesem Preis an die Verkaufsstände. Diese verkauften sie zum normalen Preis, die Differenz war ihr Gewinn – keiner wurde dabei „übers Ohren gehauen“, auch nicht die Käufer. Und allen war geholfen!

Lernzentrum für syrische Kinder in Bursa / Türkei

Dieses Projekt könnte viele Namen haben, der gewählte ist jedoch der, der unsere heutige Tätigkeit am besten umschreibt: Anfang 2014 waren wir entschlossen, ein Projekt für syrische Flüchtlinge aufzubauen, die in Istanbul gestrandet waren. Damals waren es offiziell circa 650.000 Syrerinnen und Syrer, die in der Türkei Zuflucht gefunden hatten, sicher ein Drittel von ihnen in Istanbul. 

Die ursprüngliche Idee einer Begegnungsstätte mit Lern- und Rückzugsräumen für Kinder, Werkstätten und psychotherapeutischer Arbeit wich im Laufe der Zeit einer punktuellen Unterstützung geflüchteter Familien mit Dingen des täglichen Bedarfs und Hilfestellungen und Beratung bei alltäglichen Problemen. In Istanbul Fuß zu fassen war schwer, internationale Organisationen taten sich schwer ihre Hände auszustrecken, ein eigenes Netzwerk mussten wir uns erst mühsam aufbauen. Nach und nach aber wurzelten wir, erhielten im Sommer Besuch von Willi Weitzel (der „Willi wills wissen“ – Willi), durften in 2014 (in Istanbul) und noch einmal 2016 (da schon in Bursa) für einige Mitglieder der deutschen „Clowns ohne Grenzen“ eine „Lachreise“ für Geflüchtete organisieren und entschlossen uns irgendwann, über das Marmarameer nach Bursa umzusiedeln. In Istanbul selbst gelang es uns später ein weiteres Projekt aufbauen, das aber ist eine andere Geschichte.

In Bursa hatten wir günstig Räumlichkeiten anmieten können, bauten diese nach und nach um und verwandelten mit ihnen auch das Projekt. Von einer anfänglichen Begegnungsstätte mit vielfältigen Angeboten für syrische Flüchtlinge von jung bis alt spaltete sich ein eigenes Projekt ab (von dem wir später berichten werden) und es entstand ein Lern- und Nachhilfezentrum für syrische Kinder inkl. einer eigenen Fußballmannschaft! Betreut wird es von einem Lehrer aus Homs, mit dem wir schon in Syrien lange Jahre zusammengearbeitet hatten und von seiner Frau, die auch als Trauma-Therapeutin arbeitet. Sie legen großen Wert auf spielerisch vermittelte Umgangsformen und achten stets auf Integration und geben den Kindern so auch Halt in einer für sie neuen Gesellschaft. Gleichzeitig lehren sie neben allen anderen an das türkische Schulprogramm angelehnten Lernangeboten und vielfältigen Spiel- und Bastelangeboten auch die arabische Sprache, wozu auch Kinder zugelassen sind die nicht permanent im Zentrum lernen. Hier erfahren sie einen großen Zulauf, denn die geflüchteten Eltern machen sich natürlich Gedanken über die Sprache ihrer Kinder und haben Angst, dass sie mit einer Integration in die türkische Gesellschaft und dem damit einhergehenden schleichenden Verlust der Muttersprache auch die Bindung zu Syrien verlieren.

Die Aktualität und Wichtigkeit dieses 2014 begonnenen Projektes ist ungebrochen – mittlerweile leben in der Türkei nach offiziellen Angaben über 3.6 Millionen syrische Flüchtlinge!

Ausbildungszentrum für männliche Jugendliche und junge Männer in Beirut / Libanon

Die Erfahrungen, die wir in unserem Zentrum für syrische Flüchtlingsfrauen gemacht haben, wollten wir schon lange auch umwandeln in ein ähnliches Zentrum, eines für junge Heranwachsende und junge Männer. Die Zusammenarbeit mit der Schule erhöhte den inneren Druck, denn die Absolventen dieser Schule suchten natürlich auch Arbeit und Fortbildung, doch fanden kaum welche.

2018 dann fassten wir Mut und gründeten ein neues Ausbildungs- und Entwicklungszentrum für diese Zielgruppe. Wir mieteten einen Rohbau, der quasi nur ein Gerippe aus Stützen und Decken und deshalb sehr günstig zu mieten war, bauten ein Geschoss komplett aus, schufen Räume und schafften Unterrichts- sowie Übungsmaterial und Werkzeuge und Werkbänke an. Und haben seither unterschiedliche Grundtechniken im Bereich Elektrotechnik, Computerwartung, Wartung und Reparatur von Mobiltelefonen, Schreinern, Friseurhandwerk mit Gruppen junger Männer geübt und gelehrt. Haben Kurse in Englisch, für Analphabeten, Robotik und Computer bis hin zu Schachspiel gegeben. Und sogar ein Sommer-Camp durchgeführt!

Heute haben wir schon einige der Absolventen erfolgreich in den Arbeitsmarkt entlassen können, wir bauen das Zentrum weiter aus und lernen täglich hinzu. Seit der Explosion des Beiruter Hafens helfen Auszubildende und Ausbilder dieses Zentrum zudem ununterbrochen bei Reparaturen und beim Wiederaufbau von Wohnungen und Geschäften, bringen sich ein wo sie nur können.